Das Förderprogramm Erasmus+ richtet sich an Auszubildende, Studierende und berufstätige Erwachsene, die ihre Fähigkeiten im europäischen Ausland ausbauen und ihren Erfahrungshorizont erweitern möchten.
So haben Auszubildende beispielsweise die Möglichkeit, mehrwöchige Praktika in anderen europäischen Ländern zu absolvieren. Die Teilnehmenden sammeln fachliche Erfahrungen und bauen sprachliche Fähigkeiten aus.
Diese interkulturelle Erfahrung kann die persönliche Entwicklung und auch die Karriere vorantreiben. Finanziert wird das Programm von der Europäischen Union (EU).
Simon ist Auszubildender bei INSIGMA und kam kürzlich in den Genuss einer Erasmus+ Förderung. Wir haben ihn zum Organisatorischen, den Herausforderungen und Highlights befragt.
F: Du bist Auszubildender bei INSIGMA. Welchen Beruf erlernst du und was begeistert dich daran?
A: Ich mache meine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration. Ich komme jetzt ins dritte Ausbildungsjahr und mir gefällt an diesem Beruf, dass man jeden Tag was Neues lernt, da es immer wieder neue Aufgaben/Probleme zu lösen gibt.
F: Wie und wann hast du von Erasmus erfahren?
A: In meiner Berufsschule habe ich auch mein Fachabi zusammen mit der Ausbildung als Informationstechnischer Assistent absolviert. In diesen drei Fachabi-Jahren war ich mit Erasmus drei Wochen in Aalborg (Dänemark) und vier Wochen in Madrid.
In Dänemark habe ich an einem Microcontroller-Kurs teilgenommen, wofür ich am Ende auch ein Zertifikat bekommen habe. In Madrid habe ich den Social-Media Account einer Sprachschule verwaltet und Serientermine und Einladungen für die Kunden der Sprachschule erstellt. Beide Erasmus-Praktika wurden von der Schule angeboten. Ich habe mich dann beworben und wurde angenommen. Genauso war es auch dieses Mal mit dem vierwöchigen Kreta-Praktikum.
F: Was hat dich motiviert, eine Bewerbung bei Erasmus einzureichen? Wie sieht so eine Bewerbung aus?
A: Wenn ich das Angebot bekomme, nehme ich es auch gerne an. Ich finde es interessant zu sehen, wie die Menschen im Ausland arbeiten. Davon bekommt man nur was mit, wenn man wirklich ein paar Wochen dort arbeitet. Für das Erasmus-Praktikum musste ich ein Motivationsschreiben und meinen Lebenslauf einreichen.
F: Wer hat dich dabei unterstützt, die Bewerbung einzureichen und den Aufenthalt dort vorzubereiten?
A: Es gab eine Lehrerin als Ansprechpartnerin und diese hatte auch mit dem Unternehmen auf Kreta Kontakt. Die Lehrerin hat die Flüge gebucht und meine Bewerbung weitergegeben. Das Unternehmen vor Ort auf Kreta hat dann einen passenden Betrieb für mein Praktikum rausgesucht. Dieses Unternehmen hat sich auch um die Unterkunft und Bustickets gekümmert.
F: Was kostet so ein Praktikum? Hattest du einen eigenen finanziellen Beitrag zu leisten? Handelte es sich um ein bezahltes Praktikum?
A: Einen genauen Betrag habe ich nicht mehr im Kopf, aber von Erasmus wurden ca. 1.900 Euro zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld wurden der Flug und Transfer, Unterkunft und das Busticket bezahlt. Am Ende sind 147 Euro übriggeblieben und diese standen mir dann als Taschengeld zur Verfügung. Um die restliche Verpflegung musste ich mich selbst kümmern.
F: Kanntest du die anderen Auszubildenden, die mit dir dort waren? Gab es vom Erasmus-Programm ein Kennenlerntreffen der Teilnehmenden vorab?
A: Aus meiner Parallelklasse waren vier dabei, aber ich hatte zuvor noch keinen Kontakt zu der Parallelklasse. Zusätzlich war noch ein Mitschüler aus meiner Klasse dabei, mit diesem hatte ich aber zuvor auch noch keinen Kontakt. Wir haben uns dreimal vor Praktikumsbeginn zusammen mit der Lehrerin getroffen.
Das Unternehmen vor Ort auf Kreta hat sehr viele Unterkünfte / Apartments für Erasmus Praktikanten. Vor Ort auf Kreta wurden wir in eine WhatsApp-Gruppe mit insgesamt ca. 180 Mitgliedern eingeladen. Dort wurden dann gemeinsame Aktivitäten reingeschickt, die Teilnahme war aber nicht Pflicht. Es gab vor Ort auch jede Woche ein Meeting, wo dann eine Person aus dem Unternehmen zu jedem Apartment gekommen ist und dann dort den neuen Praktikanten alles gezeigt hatte. Es sind wöchentlich Praktikanten dazu gekommen und auch wieder abgereist.
F: Wo hast du während deines Aufenthalts auf Kreta gewohnt?
A: Ich habe in Ammoudara Beach links neben Heraklion gewohnt. Mein Praktikums-Betrieb war in der Innenstadt von Heraklion, fünfzehn Minuten Busfahrt entfernt.
F: Wie gestaltete sich dein Arbeitsalltag?
A: Meine Arbeitszeit ging von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr. Ich habe immer Aufgaben von meinem Chef bekommen und diese dann erledigt. Bei Fragen hat er mir geholfen. Ich durfte jeden Tag eine Pause von 30 bis 60 Minuten machen. Nach der Arbeit haben wir uns dann meistens alle, also Mitschüler aus meiner Klasse und der Parallelklasse, getroffen und sind entweder in die Stadt oder zum Strand gegangen. Oder wir haben zusammen im Supermarkt eingekauft.
F: Gab es auch ausreichend Raum für Freizeitaktivitäten?
A: Die meiste Freizeit hatte ich an den Wochenenden. Wir haben in der Woche immer zusammen geplant, was wir am Wochenende alles machen wollen. Ab der zweiten Woche hatten wir für die restlichen zwei Wochen einen Mietwagen. Unter der Woche sind wir nach der Arbeit auch mal in einen anderen Ort gefahren und an den Wochenenden haben wir uns andere Teile von Kreta angeschaut. An einem Wochenende haben wir ein Airbnb in Kallergiana gebucht. Wir waren an diesem Wochenende auch an dem Elafonissi Beach. Der ist auf der Karte unten links auf Kreta.
F: Würdest du anderen Auszubildenden dazu raten, sich für solch ein Praktikum zu bewerben? Was sollten sie bei der Bewerbung beachten? Was ist deiner Meinung nach wichtig?
A: Ich würde das Praktikum jedem weiterempfehlen, aber man muss natürlich auch Lust haben und sich darauf einstellen, dass die Menschen auf Kreta zum Beispiel eine andere Arbeitseinstellung haben. Auf Kreta wird gearbeitet, aber ohne Stress. Wenn eine Aufgabe einen oder zwei Tage länger dauert als geplant dann ist das so.
Die Unterkunft hatte nur einen kleinen Raum in dem drei Betten standen, eine sehr kleine Küche und ein kleines Badezimmer. Für manche ist die Unterkunft vielleicht schon ein Kritikpunkt, da es im Badezimmer Schimmel gab und auch nicht immer warmes Wasser. Unsere Unterkunft war kein Einzelfall, sondern eher durchschnittlich im Vergleich zu den anderen Unterkünften. Bei der Bewerbung gibt es nichts, was man wirklich beachten sollte. Wenn man das Angebot von der Schule bekommt, kann man sich darauf bewerben und die Schule entscheidet dann anhand von deinen Noten, wer priorisiert an dem Praktikum teilnehmen darf.
F: Was hast du durch diese Erfahrung für dein zukünftiges Leben gelernt?
A: In dem Betrieb habe ich mehr über Hardware gelernt und auch wie dort Computerfehler behoben wurden. Man darf manche Lösungen nicht verurteilen, solange sie funktionieren, aber viele Sachen würden so in Deutschland nicht durchgehen.
Herzlichen Dank Simon, dass du uns so ausführlich Rede und Antwort gestanden hast.
„Die Förderung der europaweiten Zusammenarbeit in allen Bildungsbereichen ist ein wichtiges Anliegen der Europäischen Union. Das erfolgreiche EU-Programm Erasmus+ für Bildung, Jugend und Sport wird deshalb fortgeführt. Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europäischen Bildungsraum kommt dem Programm eine Schlüsselrolle zu. Zwischen 2021 und 2027 steht dazu ein Gesamtbudget von ca. 26 Milliarden Euro zur Verfügung.“ (Quelle: ERASMUS+)
Mehr für Auszubildende:
https://www.erasmusplus.de/erasmus/berufsbildung/
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